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Gibt es einen „richtigen“ Umgang mit Trauer?

11. Februar 2026

Nach dem Tod eines nahestehenden Menschen stellen sich viele Angehörige dieselbe Frage: Gehe ich richtig mit meiner Trauer um? Manche fühlen sich leer, andere wütend, wieder andere funktionieren lange scheinbar problemlos – und brechen später zusammen. Schnell entsteht der Eindruck, es gäbe einen „richtigen“ oder „falschen“ Umgang mit Trauer. 
 

Trauer: Eine kurze Einordnung

Trauer ist eine natürliche Reaktion auf Verlust. Sie betrifft nicht nur Gefühle, sondern auch den Körper, das Denken und das Verhalten. Trauer kann sich zeigen als:

  • tiefe Traurigkeit oder Leere
  • Wut, Schuldgefühle oder Angst
  • Schlafstörungen, Erschöpfung, innere Unruhe
  • Rückzug oder ein starkes Bedürfnis nach Nähe

All diese Reaktionen gehören zur Trauerarbeit dazu. Sie sind keine Krankheit, sondern Ausdruck eines Anpassungsprozesses an eine neue Lebensrealität.
 

Umgang mit Trauer: Warum Vergleiche nicht helfen

Viele Trauernde vergleichen sich mit anderen:
„Warum weint sie mehr als ich?“
„Warum komme ich nicht weiter?“
„Andere scheinen stärker zu sein.“

Solche Vergleiche setzen unter Druck. Der Umgang mit Trauer ist jedoch kein Wettbewerb und kein Zeitplan. Manche Menschen trauern sehr sichtbar, andere still. Manche brauchen Gespräche, andere Rückzug. Beides ist richtig. Wichtig ist nicht, wie Sie trauern, sondern dass Sie Ihrer Trauer Raum geben.
 

Die 5 Phasen der Trauer – Orientierung, kein Gesetz

Herkunft des Modells

Die bekannten 5 Phasen der Trauer gehen auf die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross zurück.

Die fünf Phasen im Überblick

1. Nicht-wahrhaben-Wollen

In dieser Phase fühlt sich der Verlust oft unwirklich an. Betroffene berichten, „wie in einem Film“ zu funktionieren oder innerlich wie betäubt zu sein. Diese Reaktion schützt kurzfristig vor emotionaler Überforderung. Gerade in den ersten Tagen nach einem Todesfall ist dieses automatische Funktionieren ein natürlicher Teil der Trauer.

2. Wut

Wenn die Realität des Verlustes langsam durchdringt, kann sich Wut zeigen. Sie richtet sich manchmal gegen das Schicksal, gegen Ärzte, gegen andere Menschen – oder auch gegen den Verstorbenen oder sich selbst. Diese Phase ist für viele schwer auszuhalten, gehört jedoch zum Verarbeiten von Ohnmacht und Kontrollverlust dazu.

3. Verhandeln

In dieser Phase kreisen Gedanken um mögliche Alternativen:
„Wenn ich doch nur früher reagiert hätte.“
„Hätte ich etwas anders machen können?“
Diese inneren Dialoge sind Ausdruck des Wunsches, das Geschehene rückgängig zu machen oder ihm im Nachhinein Sinn zu geben.

4. Traurigkeit / Depression

Nun wird der Verlust in seiner ganzen Tragweite spürbar. Tiefe Traurigkeit, Rückzug, Erschöpfung oder Antriebslosigkeit sind häufig. Diese Phase wird oft als besonders belastend erlebt, ist jedoch ein zentraler Teil der Trauerarbeit: Der Verlust wird emotional angenommen, nicht nur rational verstanden.

5. Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet nicht, dass der Verlust „überwunden“ ist oder keinen Schmerz mehr verursacht. Vielmehr findet langsam eine Anpassung an die neue Lebenssituation statt. Der Alltag gewinnt wieder Struktur, Erinnerungen können bewusster integriert werden und das Leben fühlt sich Schritt für Schritt wieder tragfähig an.

Wichtig zu wissen: Trauer verläuft nicht linear

Die 5 Phasen der Trauer sind kein Fahrplan. Sie können sich überschneiden, wiederholen oder ganz anders erlebt werden. Manche Menschen erkennen sich in einzelnen Phasen kaum wieder – und auch das ist völlig in Ordnung. Das Modell soll Orientierung geben, nicht bewerten.
 

Trauerarbeit: Was bedeutet das eigentlich?

Trauerarbeit meint den inneren Prozess, den Verlust in das eigene Leben zu integrieren. Es geht nicht darum, den Verstorbenen „loszulassen“ oder zu vergessen. Vielmehr geht es darum, eine neue Beziehung zu dem Menschen zu finden – in Erinnerung, Gedanken und Gefühlen.

Trauerarbeit kann bedeuten:

  • über den Verstorbenen zu sprechen
  • Erinnerungen zuzulassen
  • Rituale zu pflegen (zum Beispiel ein regelmäßiger Besuch des Grabs)
  • Schmerz auszuhalten, statt ihn zu verdrängen

Sie ist anstrengend, oft widersprüchlich – und gleichzeitig heilsam.
 

Trauer verarbeiten: Was helfen kann

Sich selbst ernst nehmen

Der wichtigste Schritt, um Trauer zu verarbeiten, ist Selbstmitgefühl. Ihre Gefühle sind berechtigt, auch wenn sie sich verändern oder widersprechen.

Rituale und Abschied

Rituale – ob religiös oder ganz persönlich – geben Halt. Das kann die Trauerfeier sein, ein Besuch am Grab oder ein stiller Moment zu Hause. Rituale strukturieren das Unfassbare.

Gespräche führen

Manche Trauernde brauchen Gespräche, andere nicht. Beides ist legitim. Wichtig ist, dass Sie Menschen haben, bei denen Sie sich nicht erklären müssen.

Pausen von der Trauer zulassen

Trauer darf da sein – aber sie darf auch Pausen machen. Lachen, Ablenkung oder Freude sind kein Zeichen von Lieblosigkeit, sondern Teil eines gesunden Umgangs mit Trauer.
 

Häufige Irrtümer rund um Trauer

„Zeit heilt alle Wunden.“

Zeit allein heilt nichts. Aber sie schafft Raum für Verarbeitung – wenn Trauer gelebt werden darf.

„Man muss stark sein.“

Stärke zeigt sich nicht im Unterdrücken von Gefühlen, sondern im Zulassen.

„Irgendwann muss es vorbei sein.“

Trauer hat kein Ablaufdatum. Sie verändert sich, aber sie verschwindet nicht einfach.

Wenn Trauer überwältigend wird

Manchmal bleibt Trauer sehr intensiv oder verstärkt sich mit der Zeit. Dann kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein – etwa durch Trauerbegleitung oder therapeutische Hilfe. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung für sich selbst.
 

Die Rolle des Bestatters im Trauerprozess

Als Bestatter begleiten wir Menschen in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens. Unsere Aufgabe endet nicht bei der Organisation einer Bestattung. Wir sehen uns auch als Ansprechpartner, wenn Fragen rund um Trauer, Abschied und Orientierung entstehen. Oft hilft schon das Wissen: Ich bin mit meiner Trauer nicht allein.
 

Fazit: Erlauben Sie sich Ihren eigenen Weg im Trauern

Ob Sie sich mit den 5 Phasen der Trauer identifizieren, bewusst Trauerarbeit leisten oder einfach Tag für Tag versuchen, die Trauer zu verarbeiten – alles davon ist richtig, solange es Ihnen entspricht.

Tipp: Kennen Sie schon unser Gedenkportal? Dort können Sie individuelle Gedenkseiten erstellen und einen lieben Verstorbenen ehren und gemeinsam mit anderen die Erinnerungen an ihn lebendig halten.